Periointegration als Prävention der Periimplantitis


Orale Implantate sind offene Implantate: Sie stehen mit der bakteriell besiedelten Mundhöhle in Verbindung. Aus diesem Grund muss ein stabiles epitheliales und bindegewebiges Attachment an der Implantatschulter und dem Implantat-Abutment sichergestellt sein. Dabei handelt es sich um eine vollkommene bakterielle Abdichtung zum Infektionsschutz der darunter liegenden Gewebe (Bindegewebe und Knochen) vor dem Mundhöhlenmilieu durch eine Weichgewebemanschette.

Während das Problem der dauerhaften Verankerung enossaler Implantate im Knochen (Osseointegration) weitgehend gelöst erscheint, bedarf das zweite Hauptproblem, der implanto-gingivale Abschluss, bestehend aus dem subepithelialen Bindegewebe und dem Epithel (zusammen auch als periimplantäre Mukosa bezeichnet) weiterhin der Diskussion und Weiterentwicklung.

Integration des Implantats im weitesten Sinn
Da auch der Begriff der Osseointegration selektiv die Wechselwirkung des Implantates mit dem Knochen unter Belastung darstellt, beinhaltet der Ausdruck Periointegration nicht nur die knöchernen und mikrobiologischen Faktoren der Implantatversorgung. Periointegration bedeutet die Integration eines Implantats in seine Umgebung im weitesten Sinn.

Locus minoris restistentiae
Hinsichtlich der Integration des Implantats in die oralen Gewebe spielen Faktoren wie die Stabilität des periimplantären Knochenniveaus und die Dauerhaftigkeit des periimplantären Weichgewebskomplexes eine große Rolle. Insbesondere die langfristig stabile Anhaftung der Weichgewebsmanschette an der Implantatschulter oder dem Abutment scheint in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung. Da im Gegensatz zum Zahn keine Insertion von kollagenen Fasern auf der Implantatoberfläche zu beobachten ist, muss dieser Bereich des periimplantären Weichgewebes als ein locus minoris resistentiae eingeschätzt werden.

Reduzierte Plaque-Akkumulation und Biofilm-Bildung
Der Begriff "Periointegration" beschreibt jedoch auch Möglichkeiten der langfristig reduzierten Plaque-Akkumulation und Biofilmbildung auf den Implantat- und Suprastrukturen durch moderne Materialien und Oberflächen. Neue Studien konnten zeigen, dass bei ungenügender Mundhygiene und fehlender Nachsorge mit Entzündungen - Periimplantitis - nicht nur der periimplantären Weichgewebe, sondern auch der knöchernen Stützgewebe in bis zu 30 Prozent aller Fälle gerechnet werden muss. Dies kann gerade im Hinblick auf die demographisch beobachtete Altersentwicklung große Konsequenzen haben, denn mit zunehmendem Lebensalter wird die Reinigung von häufig komplex gestalteten Implantatkonstruktionen immer schwieriger. Damit nimmt das Risiko einer Periimplantitis deutlich zu.

Gewebe-Erhalt und marginale Stabilität
Auch im ästhetisch kritischen Bereich muss die langfristig stabile Inkorporation des Implantates ohne Rezession der papillären und bukkalen Strukturen das Ziel jeglicher Implantatbehandlungen sein. Der Gewebe-Erhalt und die marginale Stabilität ist gerade in diesem Bereich von essentieller Bedeutung für die ästhetische und gesunde Integration eines dentalen Implantats. Hier bestehen heute jedoch große Limitationen gerade im Bereich zwischen zwei benachbarten Implantaten. In diesen Fällen kommt es durch den von beiden Seiten auftretenden schüsselförmigen Defekt zu einem vertikalen Verlust von Knochen und damit folgend einem partiellen Verlust der interproximalen Weichgewebe (siehe Abbildung).

Bessere ästhetische und langfristig stabile Behandlungsergebnisse
Eine verbesserte Anhaftung der periimplantären Strukturen an moderne Implantat- und Abutmentmaterialien und ein reduzierter schüsselförmiger Defekt durch Techniken wie z.B. Platform-reduzierte Aufbauten ("platform-switching") - könnten dafür sorgen, dass gerade bei multiplen benachbarten Implantaten bessere ästhetische und langfristig stabile Behandlungsergebnisse erzielt werden können.

Prof. Dr. Hannes Wachtel

Mitherausgeber und im Beirat zahlreicher Fachzeitschriften

Referent auf nationaler und internationaler Ebene in den Bereichen Parodontologie, plastische Parodontalchirurgie, parodontale und ossäre Regeneration, Implantologie und Ästhetik

Verfasser zahlreicher Publikationen und Buchbeiträge

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Zuletzt aktualisiert: 10.01.2012